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I N    M E M O R I A M

 

Wolfgang Döbereiner
 
1928 2014
 

Am 5. April 2014 ist Wolfgang Döbereiner gestorben. Der bekannte Astrologe war so brillant wie eigenwillig. Mit der «Münchner Rhythmenlehre» hat er eine ganz eigene astrologische Schule geschaffen.

 
Wolfgang Döbereiner als Lehrer (1981)
(AstroWiki / Der Spiegel 49-1981)
 
 

Aufgewachsen in München, gerät Wolfgang Döbereiner als junger Mann in Kriegsgefangenschaft. Nach dem Krieg studiert er – Enkel des Hofmusikers Christian Döbereiner – Musik, arbeitet dann als Musiklehrer und beratender Astrologe. Als Fische-Geborener mit Krebs-Aszendent reagiert er empfindlich auf die stampfende und pragmatische Dynamik der Nachkriegszeit in Deutschland, ein Prozess, den er später als «Abkehr von der Gesellschaft» beschreibt (Saturn Opposition Mond in zwölf, siehe Fig. 1). In der besonderen Atmosphäre und quasi als Gegenentwurf jener Jahre entwickelt er eine eigene Methode der Horoskopdeutung, die Münchner Rhythmenlehre, die sich wesentlich von der klassischen und der psychologischen Astrologie unterscheidet.

Die Münchner Rhythmenlehre besagt, dass Entwicklung und Erfahrung des Menschen in verschiedenen Rhythmen ablaufen, welche sich hauptsächlich in Sieben- und Zehn-Jahres und -Monats-Rhythmen im Horoskop und den Septaren (Solarhoroskope, die bestimmte Phasen im Leben des Menschen beschreiben) spiegeln. Diese Rhythmen laufen vom Aszendenten aus einerseits im Uhrzeigersinn, andererseits gegen den Uhrzeigersinn durch das Horoskop. Eine weitere Methodik dieser Schule ist die Phänomensdeutung, bei welcher der Aszendent die «Anlage», die Sonne die «Verwirklichung» und das Medium Coeli das «Erwirkte» bezeichnen.

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Fig. 1
Wolfgang Döbereiner
28. 2. 1928, 13:07 LT, 12:07 GT
München, D (48N08, 11E34)
Placidus
(GZQ: Rodden, Astro-Databank, A)

 

Seine neue Lehre publiziert Döbereiner erstmals 1953 in der Zeitschrift «Das neue Zeitalter». Ab 1956 wird sie dann in der astrologischen Gesellschaft Zenit und in der Süddeutschen Astrologenschule gelehrt. Nach einer Zeit des Rückzugs nimmt Döbereiner Anfang der 70er-Jahre seine Lehrtätigkeit wieder auf und gründet eine Schule für Astrologie in München. Er publiziert Bücher und Artikel und erstellt Wetterprognosen: Sein Buch «So wird das Wetter 1976!» ist ein Renner und verkauft sich prächtig, wie der «Spiegel» damals berichtet. Im Ersten Deutschen Fernsehen deutet Döbereiner am 2. Januar 1978 das Horoskop der Sendung «Tagesthemen» (zu sehen auf YouTube).

1980 erscheint Döbereiners Buch «Astrologisch-medizinische Diagnose und Homöopathie», in dem homöopathische Arzneimittel als Hilfe bei schwierigen Konstellationen empfohlen werden. In den folgenden Jahrzehnten bestückt er seine Lehre mit weiteren Deutungselementen: «Weg der Aphrodite», «Rückseitendeutung», «Lückenlehre» und «Verbunddeutung».

Neptun Opposition Fische-Merkur auf der Achse drei/neun markiert im Horoskop von Döbereiner einerseits den Musiklehrer, andererseits den Astrologen, der über die Entwicklung und Vermittlung von «Sprachbildern» lehrt. Seine Lehre soll nur direkt, das heisst leibhaftig über Sprache weitergegeben werden, oder dann über Bücher, die «aus lebendigem Papier» bestehen, in denen «die Homöopathie des Waldes und der Bilder noch enthalten» ist. Keinesfalls elektronisch im Internet oder via E-Book.

Bis in seine letzten Lebensmonate hat sich Wolfgang Döbereiner immer wieder zu politischen und gesellschaftlichen Themen aus persönlicher und astrologischer Sicht geäussert und auch hier viel Eigenwilligkeit und Skepsis gezeigt. Vieles an der neuen Zeit hat ihm missfallen. Überhaupt verhielt er sich abwehrend und eigenwillig gegenüber dem Mainstream (Sonne Quadrat Mond). Das schwache, nur von Chiron besetzte Erdelement liess ihn oftmals als verwundet und weltfremd erscheinen.

Wolfgang Döbereiner bildete im Laufe der Jahrzehnte sehr viele Schüler aus, die er förderte und begeisterte. Sein Wirken ist von grosser Tragweite. Er starb am 5. April 2014. Der progressive AC stand auf dem Radix-IC, der Transit-Pluto machte eine Opposition zum Radix-Pluto am AC, und der Transit-Neptun nahm die Radix-Sonne in die Arme.

–Armando Bertozzi


Armando Bertozzi, von 1976 bis 1981 Kurse in Astrologie, Alchemie und Kabbala; 1980 bis 1988 Redaktor und Mitherausgeber von «Essentia – Zeitschrift für evolutionäre Ideen»; seit 1989 Chefredaktor von ASTROLOGIE HEUTE (E-Mail: Armando Bertozzi)

 

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