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Saturn/Neptun: Spekulation, Immobilien und Schulden
 
 
von Claude Weiss


6. März 2007
 

Am 28. Februar ereignete sich im Windschatten der Mondfinsternis vom 3./4. März die zweite Saturn/Neptun-Opposition, wovon es zwischen 31. August 2006 und 25. Juni 2007 insgesamt drei gibt. Dabei ist der zweite Aspekt – insbesondere wenn er fast gleichzeitig mit einer Finsternis stattfindet – häufig der wichtigste. An diesem Punkt verdichtet sich die Qualität des Aspektes, denn es kreuzen sich hier auch die zeitlichen Orbes, die man dem ersten und dem letzten Uebergang zugestehen muss. So bringt Ray Merriman solche Aspekte (Saturn/Neptun) auch mit der Entfaltung von 4-Jahreszyklen der Börse zusammen, wobei er jedem Aspekt einen Orb von neun Monaten gibt. Dies bedeutet gemäss empirischen Beobachtungen, dass der Saturn/Neptun-Zyklus von November 2005 – März 2008 wirkt, mit einem Intensitätsmaximum zwischen dem ersten und dem letzten Uebergang und insbesondere um den mittleren Aspekt, welcher sich soeben am 28. Februar 2007 ereignete. (Eine nicht von einem zeitlichen, sondern von einem räumlichen Orb ausgehende Betrachtung würde hingegen nahe legen, dass der Saturn/Neptun-Zyklus ab Oktober 2005 und bis Sommer 2007 wirkt, weil bereits im Herbst 2005 ein Orb von fünf Grad erreicht war, während im September 2007 Saturn von Löwe in Jungfrau wechselt und damit ab diesem Zeitpunkt – aufgrund der Zeichenachse – die Saturn/Uranus-Opposition bedeutsamer wird als der Saturn/Neptun-Aspekt.)

In früheren Artikeln von Astrologie Heute haben wir mehrfach darauf hingewiesen, dass der Saturn/Neptun-Zyklus mit Skandalen, mit verdeckten, aber dennoch meist recht offensichtlichen Aktionen der US-Regierung im Nahen Osten zur Sicherung der Verfügbarkeit von Erdöl, mit wilden Ausschlägen beim Rohöl und mit Spekulation zu tun hat, wobei häufig Immobilien (Saturn als Boden und Mauern) eine wichtige Rolle spielen. Ohne sehr weit zurückzugehen, lassen sich diese Zusammenhänge recht gut an den verschiedenen Etappen des jetzigen Saturn/Neptun-Zyklus beleuchten, welcher mit der Konjunktion von 1989/90 begann.

Saturn/Neptun und der Immobilien-Zyklus

Zwar ist die Zeit von 1989/90 uns vor allem im Zusammenhang mit dem „Durchlässigwerden“ (Neptun) der „Berliner Mauer“ (Saturn) bekannt. Dies hatte letztlich ebenfalls mit Rückforderung von Boden und Immobilien in Verbindung mit Beschlagnahmungen durch die kommunistische DDR-Regierung zu tun, und diese Zeit war auch der Beginn eines blühenden Handels mit ostdeutschen Immobilien, die zu einem Schnäppchenpreis ergattert werden konnten. Wohl wichtiger und spektakulärer waren aber zu jener Zeit die internationalen Exzesse der Immobilienspekulation, die sich darin äusserten, dass auf dem Höhepunkt der Spekulationsblase im Jahre 1989 das Grundstück des kaiserlichen Palastes in Tokyo mehr Wert war, als der Landwert von ganz Kalifornien. Dies war bezeichnenderweise auch das Ende des japanischen Börsenbooms mit einem Nikkei-Index, der beinahe den Wert von 40'000 erreichte, mehr als das Doppelte des heutigen Wertes, wobei dazwischen eine Zeit lag, während welcher sich der Wert des ursprünglichen Höchststandes auf weniger als ein Viertel reduziert hatte.

Um 1989/90 brach in verschiedenen Teilen der Welt der Immobilienmarkt ein, nachdem zuvor eine spekulative Blase gebildet worden war. Dies trifft namentlich auf Japan, die USA, aber auch die Schweiz zu, wo es ab der Saturn/Neptun-Konjunktion von 1989/90 bis zum Quadrat von 1998/99 zu einem Rückgang der Immobilienpreise kam.

Beim Quadrat von 1998/99 passierte etwas Anderes, das ebenfalls mit Spekulation zu tun hatte. Die Internetblase blähte sich damals auf, mit dem Run auf alles, was in irgendeiner Weise den Hauch der wundersamen, weiten Welt des Internets vermittelte. Damals hiess es: „Clicks statt Bricks“ (Klicks statt Backsteine), ein Hinweis darauf, dass die Welt nur noch Potenziale sah und Realitäten ebenso wie Produktionsanlagen (gewachsene Werte) zum alten Eisen warf – ein Exzess, der anlässlich der Jupiter/Saturn-Konjunktion im Stierzeichen von Anfang 2000 korrigiert wurde. Diese Konstellation im Quadrat zum Uranus brachte die Menschen wieder auf den Boden der konkreten Realitäten. Mit dem Katzenjammer und der Pleite der IT-Firmen stürzten die Immobilienpreise in San Francisco und im Silicon Valley.

Nach der Konjunktion von 1989/90 und dem Quadrat von 1998/99 erleben wir nun die Opposition von 2006/07. Wieder werden wir mit einer Spekulationswelle und ebenso überzahlten wie überschuldeten Immobilien konfrontiert.

Die Immobilienblase von 2006/07

In den letzten acht Jahren sind die Immobilienpreise in den USA, in Südafrika, Australien, England, Irland, Spanien, Frankreich, Italien, Niederlande und Schweden regelrecht explodiert. Sie stiegen für die Zeit von 1997 – 2005 um mindestens 80 %, teilweise sogar um 271 % (Südafrika), 208 % (Irland), 166 % (England) und 150 % (Spanien). (Economist)  Dies hatte mit den tiefen Zinsen, aber auch mit der grosszügigen Kreditvergabe durch die Banken zu tun.

Da die gute Konjunktur der Vereinigten Staaten in den letzten Jahren massgeblich mit Preissteigerungen bei Immobilien zu tun hatte, warnen wir seit einiger Zeit davor, dass in Verbindung mit den Saturn/Neptun-Oppositionen von 2006 und 2007 ein Stillstand oder gar Rückgang der Immobilienpreise die Konjunktur abwürgen könnte, da deren Wachstum nach glaubhaften Schätzungen zu zwei Dritteln auf Steigerungen der Immobilienpreise zurückgeht, welche es den Amerikanern ermöglichten, immer wieder neue Hypotheken auf ihr Haus aufzunehmen und damit einen Teil ihres Konsums zu finanzieren.

Nun scheint die Immobilienblase zu platzen, indem Häuserpreise und Häusermarkt in den USA rückläufige Tendenz zeigen. Nicht nur das. Es kommt noch dicker! Wie wir bereits in unserem Artikel vom 21. Februar 2007 „Finanzmärkte: Die unheimliche Ruhe vor dem Sturm“ ausführten, werden nun amerikanische Hypothekarschuldner in unerwarteter Zahl zahlungsunfähig. Dies führt dazu, dass amerikanische Banken unvermittelt die Kreditvergabe drosseln.

Nun erscheinen auch zahlreiche Artikel, die darauf hinweisen, dass nicht nur schlechte Schuldner von der Krise betroffen sind, sondern das Ausmass der Zahlungsunfähigkeit ein ungeahntes Mass annimmt. So titelt ein Artikel vom 4. März der Zeitschrift „Die Zeit“ Der Albtraum vom eigenen Haus: Viele Hypotheken in den USA erweisen sich als zu riskant. Banken zittern und mit ihnen die Finanzmärkte.

Für die gegenwärtige Situation sei die aggressive Hypothekenvergabe-Politik der Banken der letzten Jahre – insbesondere des Jahres 2006 – verantwortlich:

Um für Nachschub zu sorgen, wurden die Hypothekenanbieter immer kreativer. Zum einen begannen sie, die Kreditbedingungen zu lockern. ‚Häuser wurden am Computer geschätzt – ohne Besichtigung’, erzählt ein Insider. Neu entwickelt wurde auch eine besonders riskante Hypothekenvariante, bei der die Angaben der Schuldner in puncto Einkommen und Arbeitsplatz ohne jegliche Ueberprüfung als Grundlage für das Darlehen dienen.

Damit nicht genug, erfanden die Hypothekendesigner so genannte ‚Exoten’. Bei einer beliebten Spielart zahlt der Kreditnehmer zunächst einen Zins unter Marktniveau. Nach zwei oder drei Jahren wird der Zins auf herrschende Marktraten angehoben – der Kreditnehmer muss dann nicht nur den geliehenen Betrag zurückzahlen und finanzieren, sondern auch die in den Jahren zuvor aufgelaufene Differenz zu den eigentlichen Kreditkosten…. Ein anderes begehrtes Modell war der ‚Piggyback’-Kredit: über diese ‚Rucksackdarlehen’ nehmen Hauskäufer, die die übliche Anzahlung von 10 – 20 % nicht leisten können, eine zweite Hypothek auf, um genug ‚Eigenkapital’ aufbringen zu können. Sie erhielten so ein Eigenheim, ohne einen Dollar angespart zu haben.

Obwohl diese Praktiken in der letzten Zeit Gang und Gäbe waren, werden sie erst jetzt in breiterem Masse thematisiert – wohl deswegen, weil sie sich im Zusammenhang mit dem Rückgang der Immobilienpreise und des Aktienmarktes nicht mehr verheimlichen lassen, da man nun nach Erklärungen für die missliche Lage sucht. Ein direkter Zusammenhang ergibt sich dadurch, dass ein grosser Teil dieser – teilweise maroden – Hypotheken von Investmentbanken aufgekauft und gebündelt wurden. Solche Bündel dienten als Sicherheit für neu geschaffene Wertpapiere, die sich wie Unternehmensanleihen an den Finanzmärkten verkaufen liessen und weil sie eine grössere Rendite versprachen, von Pensionskassen und Hedge Funds in ihre Portfolios aufgenommen wurden. So ist gemäss ‚Die Zeit’ ein komplexes, internationales Geflecht aus Kreditinstituten, Investmentbanken, Brokern, Hedge Funds und Pensionskassen entstanden, das inzwischen Hausbesitzer in Iowa und Kalifornien mit Ruheständlern, Versicherten und Anlegern in Europa und Asien verbindet.

Nun zeigen sich in Verbindung mit der Abkühlung des US-Immobilienmarktes und steigenden Zinsen die Risse in diesem spekulativen Gefüge. Wenn es eine Sollbruchstelle im weltweiten Finanzsystem gibt, dann verläuft sie durch den US-Immobilienmarkt und den privaten Hypothekenmarkt, meinen Mark Zandi und Juan Manuel Licari von Economy.com, einer Forschungseinheit der internationalen Ratingagentur Moody’s.

Diese Zusammenhänge verweisen die Beschönigungen Einzelner, es sei mit dem internationalen Finanzsystem grundsätzlich nichts faul und man solle jetzige Tiefs für Zukäufe nutzen, möglicherweise in den Bereich des Wunschdenkens. Vielen ist nun sogar die von einigen Bankern bereits seit einiger Zeit herbeigesehnte Korrektur von 10 % zu viel, und diese gilt plötzlich als unerwünscht. Dabei ist es durchaus denkbar, dass es schliesslich sogar zu jener 20 + % Korrektur kommt, die Raymond Merriman zum Ende des seit Oktober 2002 (USA) bzw. März 2003 (Europa) laufenden 4-Jahreszyklus bis zum Juni 2007 erwartet.

Eines steht jedenfalls fest: Der Sturz an der Shanghai Börse war nicht Ursache, sondern Katalysator für eine wichtige Bereinigung. Astrologisch gesprochen, korrigiert dabei mit der gegenwärtigen Saturn/Neptun-Opposition Saturn als Planet der Realität übertriebene Fantasien und bringt jene Täuschungen ans Licht, an welche alle so gerne glauben wollten. Dies passiert zur Zeit einer Mondfinsternis, die vom Planeten Uranus geprägt wird, der bekanntlich immer für Ueberraschungen gut ist. Der Mondfinsternis vom 3./4. März 2007 folgt am 19. März eine Sonnenfinsternis im Quadrat zum Planeten Pluto, der bekanntlich nicht nur mit Themen von Macht und Kontrolle, sondern auch von Krediten zu tun hat. Zusammen symbolisieren Uranus und Pluto die Risse im internationalen Finanzsystem, während Saturn/Neptun ernüchtert, wenn man zuvor trügerische Vorstellungen genährt hatte.


In einem grösseren Kontext ist anzunehmen, dass wir während der gegenwärtigen Eklipsenperiode vom März bereits jetzt mit Themen in Kontakt kommen, welche die Jahre 2010 – 2015 mit einer Uranus/Pluto-Quadratur – teilweise durch Saturn aktiviert – prägen werden. Es ist denkbar, dass wir dies besser verstehen, nachdem sich auch die Sonnenfinsternis vom 19. März ereignet hat.


Claude Weiss, beschäftigt sich seit 40 Jahren mit Astrologie; Herausgeber der Zeitschrift ASTROLOGIE HEUTE; gründete 1978 die Astrodata AG, welche astrologische Textanalysen anbietet; Präsident des Schweizer Astrologenbundes SAB; Autor der Bücher «Horoskopanalyse» Bd.1 & Bd.2, «Pluto – Eros, Dämon und Transformation» (mit Verena Bachmann), «Karmische Horoskopanalyse», Bd.1 & Bd.2, u. a. (E-Mail: Claude Weiss)

 

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